Steckermodule: Sonnenstrom vom Balkon


16. April 2018

Die Debatte um die Einbindung sogenannter Balkonmodule nähert sich ihrem Ende. Endlich, möchte man hinzufügen, denn selbstverständlich muss es Millionen Mietern und Eigentümern von Wohnungen möglich sein, ihre Balkone für Solarstrom zu nutzen. Mit der anstehenden Novelle der VDI AR 4105 dürfte auch der letzte Zankapfel vom Tisch sein. Allerdings werden zunächst einmal rund tausend Einsprüche gegen den Entwurf verhandelt.

Mit den neuen Regelungen schließt Deutschland endlich zu Ländern wie Portugal, Österreich oder der Schweiz auf. Dort ist die Nutzung von Steckermodulen schon länger unkompliziert möglich – und werden bereits rund 200.000 Mal eingesetzt. Nach Schätzungen der DGS sind in Deutschland bisher rund 20.000 solcher Kleinstanlagen in Betrieb.

Die Taktik der Guerrilla

Faktisch besteht die solare Guerrilla-Taktik aus der kleinsten, möglichen Solaranlage: Ein Modul (oder mehrere) werden über einen Mikrowechselrichter direkt an die Steckdose angeschlossen. Das kann Jeder bauen. Ob es auch Jeder bauen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

Denn auf alle Fälle empfiehlt sich zuvor eine Überprüfung durch den Fachmann, ob die Wohnungselektrik die Spannungen und Ströme aufnehmen kann. Andernfalls drohen gerichtliche Auseinandersetzungen, falls Schäden entstehen.

Energiewende wird sichtbar

Fakt ist: Solare Balkone machen die solare Energiewende sichtbar. Dachgeneratoren sind oft vom Boden aus unsichtbar. Werden die Balkone für Solarmodule genutzt, kann man sie gut sehen. Allerdings sollte man die Erwartungen an die Erträge aus den Balkonmodulen nicht zu hochschrauben.

Denn für die vertikal installierten Paneele gelten dieselben Erfahrungen wie für Solarfassaden. Eine gute Photovoltaikfassade nutzt nur rund 70 Prozent der Nennleistung der Module aus.

Forscher der Fachhochschule in Rosenheim haben die Steckermodule der DGS untersucht, den sogenannten Solarrebell. „Er besteht aus einem chinesischen Modul mit 250 Watt und einem Wechselrichter von Letrika, der 260 Watt umsetzen kann“, erläutert Max Heißwolf aus Rosenheim. Die Module kommen von Canadian Solar, Letrika fertigt seine Mikrowechselrichter in der Slowakei.

Lohnt sich Eigenverbrauch?

Interessant sind die Ergebnisse der Studie: „Auf der grünen Wiese mit 36 Grad Aufständerung zur Sonne erbrachte das System einen spezifischen Ertrag von 1.064 Wattstunden je Watt“, rechnet Heißwolf vor. „Das entspricht üblichen Anlagen mit Strangwechselrichtern. Wir wollten aber wissen: Lohnt sich das für den Eigenverbrauch?“

Die Forscher simulierten den Einsatz an Südbalkonen, also nach Süden, Südwesten und Südosten. „Maximal waren im Jahr rund 245 Kilowattstunden Sonnenstrom nutzbar“, erläutert der Wissenschaftler aus Rosenheim. Wintererträge waren aufgrund der geringen Solarflächen kaum nennenswert.

Oft nur geringe Lasten gefordert

Weil in den Wohnungen oft nur geringe Lasten abgefordert werden – vor allem in der sommerlichen Mittagshitze – kippt das System schnell in den Einspeisemodus – und verschenkt die Energie, die eigentlich für den Eigenverbrauch sinnvoll wäre.

Dann gibt die Wohnungselektrik Energie ans Haus ab. Und dann müsste sie eigentlich nach dem EEG als netzeinspeisende Anlage angemeldet werden, denn niemand weiß, ob die Einspeisung nicht auch den Hausanschluss erreicht. (HS)

Der vollständige Report erscheint in der Aprilausgabe der photovoltaik am 19. April 2018. Abonnenten können alle Artikel nach Erscheinen auch online lesen.

Quelle: www.photovoltaik.eu/gentner.dll/PL_30021_815917