Sauberer Schwitzkasten


16. Oktober 2020

Ökologisch saunieren, geht das überhaupt? Eine herkömmliche finnische Sauna verbraucht viel Brennholz oder massig Strom. Es muss Dampf auf den Kessel, denn Saunagänger mögen es heiß. Da gibt es keine Kompromisse, gern darf es noch einen Kräuteraufguss obendrauf geben. Der Energieverbrauch und die Stromkosten sind dagegen enorm.

Der Schweizer Urs Riggenbach von der finnischen Firma Lytefire und Henrik Vetsch sowie Sara Wiesendanger vom Tourismusbetrieb Heuberge wollten das ändern. Sie wollten die Touristen künftig sauber schwitzen lassen. Denn auch die Schweizer Skigebiete wie die Heuberge spüren den Klimawandel – die Wintersaisons werden immer kürzer. Es braucht also innovative Angebote, um den Besuchern etwas Neues anzubieten.

Foto: Lytefire

Die Abkühlung danach: Gäste springen in den Heuberger See.

Foto: Lytefire

Der Blick aus der Wärme auf die Alpenidylle.

Sauna rotiert mit der Sonne

Auf der Innovationskonferenz Heuberge Ecologic Forum setzte sich die Solarsauna als Gewinnervorschlag durch. Die Idee von Urs Riggenbach wurde dann in wenigen Monaten umgesetzt, um den Touristen einen emissionsfreien Wellness-Genuss zu ermöglichen. „Die Sauna wird von einem Sonnenkollektor angetrieben, der mittels Spiegel das Licht bündelt und auf die Saunasteine bringt“, erklärt Entrepreneur Riggenbach. Die Solarsauna rotiere dabei, um der Sonne zu folgen. Im Winter sei die Sauna mobil unterwegs und könne so hoch in die Berge gebracht werden. Zur Sommerszeit befindet sie sich neben dem Gasthaus Heuberge, wo sie seit Anfang Juli auch gebucht werden kann.

Selbst finnische Saunaexperten haben sich bereits von der Solarsauna überzeugt und sind begeistert. Nach dem Sauna-Spaß in 2.000 Metern Höhe kann der Besucher direkt in den Heuberg-See eintauchen. Das bergige Panorama und die Natur lassen sich auch aus dem Inneren der Sauna bestaunen. Das gehört zum Konzept der Tourismusbetriebe Heuberge.

Die Sauna in den Alpen erreicht dabei die üblichen Temperaturen zwischen 60 und 100 Grad Celsius. Über den Fokus des Sonnenlichts und die Dampfmenge wird die Temperatur reguliert.

Eine Idee geht um die ganze Welt

Der erste Prototyp hat noch eine limitierte Speicherkapazität von einer Stunde nach Sonnenuntergang. Ziel der Truppe um Urs Riggenbach ist es, eine thermische Speicherkapazität einzubauen. Sie erlaubt es, bis sechs Stunden nach Sonnenuntergang zu saunieren.

Dass dieselbe Solartechnologie von Lytefire auch in großem Stil genutzt werden kann, erfahren die Besucher der Heuberge demnächst durch einen neu errichteten Solarpark. Ursprünglich wurde die Technologie entwickelt, um in Afrika, Asien und Lateinamerika diverse Backöfen, Trockner und Röstereien von Kleinunternehmern anzutreiben.

Foto: Lytefire

Im Winter ist die Saunawärme Gold wert.

Bauanleitung frei verfügbar

So konnten dort Alternativen zu Brennholzöfen errichtet werden, um die bedrohten natürlichen Ressourcen zu schonen und Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Auf der neu gebauten Solarterrasse in Heuberge vor dem Gasthaus Arflina steht seit ebenfalls ein solcher Solarofen, um Kuchen und Pizza zu backen. Eine Solarpizza sozusagen.

Die Initiative Lytefire will die Solarthermie schneller voranbringen. Sie wurde erst 2019 vom finnischen Unternehmen Solar Fire Concentration ins Leben gerufen.

Lytefire vertreibt das Produkt und veröffentlicht zudem Bauanleitungen als frei verfügbare Open-Source-Dateien, um die weltweite Nutzung der Technologie zu ermöglichen. So kann jeder und überall klimaneutral ins Schwitzen kommen.

Foto: Lytefire

Alternativen gesucht: Der Klimawandel verkürzt die Skisaison immer mehr.
Quelle: www.photovoltaik.eu/der-letzte-schrei/sauberer-schwitzkasten