Christoph Ostermann von Sonnen: „Produktion massiv hochfahren“


16. Mai 2019

Herr Ostermann, hätten Sie gedacht, dass Sie mal für einen internationalen Ölmulti arbeiten würden?

Christoph Ostermann: So gefragt, muss ich natürlich mit Nein antworten. Diese Entwicklung konnte in den letzten Jahren noch niemand vorhersehen. Andererseits werden immer mehr Energiekonzerne zu Akteuren in der neuen Energiewelt. Angefangen hat das mit großen Stromversorgern, nun sind auch Erdgaskonzerne und Mineralölfirmen hinzugekommen. Und darum geht es letztendlich auch bei der Energiewende: Alle müssen mitmachen. Und dass sie es machen, ist ein Riesenerfolg. Erst vor wenigen Wochen hat Maarten Wetselaar, der Chef von Shells Gasgeschäft, öffentlich die Richtung vorgegeben: In den nächsten zehn Jahren will der Konzern zum weltgrößten Stromkonzern werden, und das größtenteils mit Ökostrom. Ein bis zwei Milliarden Dollar investiert Shell jährlich in erneuerbare Energiequellen.

Welche Veränderungen bringt der Einstieg von Shell?

Sicher weniger, als man sich das so vorstellt. Die Geschäftsführung und unsere Standorte werden so bleiben, wie sie sind. Sonnen bleibt also Sonnen. Ich würde den Einstieg auch als eine Bestätigung für unseren Kurs bei Sonnen sehen – Shell kann und will uns dabei unterstützen.

Wie kann Ihnen Shell konkret helfen?

Der Heimspeichermarkt steht vor dem Wendepunkt hin zum Massenmarkt. Wir müssen unsere Produktion massiv hochfahren, allein schon um entsprechend mitzuwachsen. Zudem ist Shell international weltweit vertreten, mit Tochtergesellschaften, die teilweise seit gut 100 Jahren in den Ländern sind. Dieses Netzwerk wollen wir nutzen, um in für uns neue und entlegene Märkte einzusteigen. Als süddeutscher Mittelständler bekommen wir das allein nicht hin.

Hilfreich ist dabei sicher eine volle Kriegskasse.

Das ist nur eine Seite der Medaille, die andere strategisch wichtige Komponente ist, dass Shell innerhalb der Gruppe Unternehmen hat, die komplementär gut zu uns passen. Shell ist seit einigen Jahren schon viel mehr als ein Erdölkonzern. Seit 2016 fließen Investitionen in die New-Energies-Sparte. Diese Synergien mit anderen Unternehmen von Shell wollen wir nutzen, um den Kunden eine breitere Palette anzubieten.

Ein Ölkonzern und Sonnen, das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Wann haben Sie erstmals mit dem Shell-Konzern zusammengearbeitet?

Seit 2015 gibt es Kontakt. Shell hat Sonnenbatterien getestet und experimentiert, was man mit unserer Technologie machen kann. Im vergangenen Jahr stieg Shell bekanntlich als Gesellschafter bei uns ein. Dabei haben wir gesehen, dass wir überraschend viele Gemeinsamkeiten haben. Das betrifft sowohl unsere Ziele, was saubere Energie angeht, als auch diese Ziele konsequent und schnell umzusetzen.

Wird der Heimspeicher weiter bei Ihnen zentral sein oder werden Sie sich verstärkt in Richtung Elektromobilität bewegem?

Das Kernprodukt wird weiter der Heimspeicher bleiben. Das macht aus verschiedenen Gründen Sinn. Denn technologisch gesehen ist der Heimspeicher der Schlüssel zur dezentralen Energiewende, er kann aber mit weiteren Angeboten ergänzt und komplettiert werden. Dafür haben wir ja zum Beispiel den Charger in unserem Programm, mit dem der selbst erzeugte Strom auch ins Auto gelangt. Unser Mehrwert liegt darin, eine neue Infrastruktur aufzubauen, möglicherweise in Zukunft auch eine Stromheizung oder Wärmepumpe mit zu steuern und so mehr Flexibilität für den Netzbetreiber anzubieten. Denn genau darum geht es in den Netzen in Zukunft. Aber auch darum, das Energiemanagement im Haus für den Kunden zu optimieren. In den USA steuern wir bereits über eine automatische Haussteuerung kritische Lasten.

Wie wichtig sind Dienstleistungen für Sonnen?

Wir vertreiben bereits Strom, sind also Versorger und damit auch Dienstleister für unsere Kunden. Wir sind mit unserem vernetzten Batteriepool aber auch Dienstleister für die Netzbetreiber. Wir sind im Prinzip ein neuer Energieversorger für ein neues Energiesystem. Darin sind Dienstleistungen neben unserem Hardwaregeschäft der wesentliche Bestandteil unseres Angebots.

Das Interview führte Niels H. Petersen. Das komplette Gespräch lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der photovoltaik.

Quelle: www.photovoltaik.eu/gentner.dll/PL_30021_873993